Aufmerksame Beobachter von auen
Àgnes Molnàrnè Tòth und Sandor Papp vom Budapester Àlmos-Vezèr-Gymnasium zu Gast am JSG
Fr zwei Wochen hatte das Jack-Steinberger-Gymnasium Gste aus der ungarischen Hauptstadt Budapest. Auf Vermittlung des Goethe-Instituts konnte die Deutschlehrerin Agnes Molnàrnè-Tòth vom Budapester Gymnasium Àlmos Vezèr fr 14 Tage das bayerische Schulsystem, den Schulalltag und das ganz normale Leben in Schule und Familie vor Ort studieren, ihre Sprechfertigkeit ben, neue Sprachentwicklungen und Methoden in der Pdagogik entdecken und mit ihren Kollegen am Gymnasium diskutieren. Sie besuchte den Unterricht nicht nur in Deutsch in allen Jahrgangsstufen, sondern auch in den Fremdsprachen und den gesellschaftswissenschaftlichen Fchern. Whrend ihres Studiums noch zu Zeiten des Kalten Krieges hatte Frau Molnàrn-Tth in Greifswald studiert, weshalb sie jetzt sehr gerne auch einmal in die alten Bundeslnder kam. Da in Bad Kissingen eine sehr gastfreundliche Familie gefunden werden konnte, gelang es auch, Frau Molnàrn-Tths Wunsch, ihren interessiertesten und besten Schler mit nach Bad Kissingen zu nehmen, zu erfllen. Sandor Papp verbrachte die zwei Wochen in Bad Kissingen als Gastschler in der Klasse 11d des JSG.
Am Ende ihres Aufenthalts, whrend dessen sie auch einen Tag in Wrzburg verbrachten, die bayerische und thringische Rhn und Meiningen kennen lernten und sich im TiP, dem Jugendtheater des Frnkischen Theaters Schloss Massbach, das Stck ‚Das Herz eines Boxers’ ansahen, hielten die beiden ihre wesentlichen Erfahrungen und Beobachtungen schriftlich fest.
Frau Molnàrn-Tth war berrascht, dass die Schler in Deutschland nur 6 Stunden am Tag haben, was in Ungarn selten vorkommt. Die Hausaufgaben wrden dagegen noch ernster genommen als in ihrem Heimatland. Im Unterricht konnte sie beobachten, dass „viel Wert auf die Aktivitt, Spontaneitt, Kreativitt der Schler gelegt“ wird und war erstaunt darber, dass die Schler „ganz gut flieend in Fremdsprachen sprechen“ knnen. Beim Verhalten der Schler fiel ihr auf, dass sie sich „im Unterricht etwas lockerer, aufgeweckter, aktiver – manchmal auch ein bisschen undisziplinierter“ als in Ungarn benehmen. Auch stellte sie fest, dass die ungarischen Gymnasiasten „vielleicht ein bisschen hflicher den Lehrern gegenber“ sind, ihnen etwa den Vortritt lassen. Allerdings meinte sie auch: „Die Kinder achten mehr auf die Ordnung der Klassenzimmer und der ganzen Schule.“ Von der Ausstattung deutscher Schulen schwrmte sie. Das JSG sei „viel moderner“, biete „den Schlern viele Mglichkeiten, sich entfalten zu knnen.“ Sie staunte: „In jedem Klassenzimmer gibt es einen Lichtprojektor, der fast in jeder Stunde benutzt wird.“ Da es in Ungarn ein System der zentral gestellten Abschlussprfungen fr alle Jahrgangsstufen gibt, war Frau Molnàrn-Tth am bayerischen Schulaufgaben-Modell, das die schriftlichen Leistungserhebungen besser ber das ganze Schuljahr verteilt, sehr interessiert. Sie lobte aufgrund ihrer Beobachtungen: „Die Schulaufgaben werden sehr grndlich und lange vorbereitet. Die Schler fhren ihre Hefte viel ordentlicher, viel sthetischer, viel anschaulicher als bei uns.“
Auch Negatives fiel der kompetenten Beobachterin von auen auf. So bemngelt sie an unserem System zum Beispiel, dass es „keine Stunde mit dem Klassenlehrer“ gibt. Sie fragt: „Wie kann der Klassenleiter sich um die Schler kmmern, Probleme besprechen, etwas organisieren? … Scheinbar haben hier Lehrer und Kinder nicht genug Zeit und Mglichkeit, tiefere Kontakte zu knpfen.“
Letzteres scheinen die Beobachtungen von Sandor Papp, der das Ganze aus Schlersicht beobachten konnte, nicht zu besttigen. Er schreibt: „Ich hab auch bemerkt, dass zwischen den Lehrern und Kindern ein groer Kontakt herrscht, was ich echt toll finde.“ Auch er war voll des Lobes ber den deutschen Fremdsprachenunterricht und meinte: „Es gefllt mir gut, wie die Lehrer die Fremdsprachen unterrichten.“
Beide Gste bedankten sich bei Schulleitung und Kollegium sehr herzlich fr die freundliche Aufnahme in Bad Kissingen. Auch die Stadt, die Kuranlagen und die Umgebung gefielen den beiden trotz Herbstwetter sehr gut, besonders verblfft waren sie aber ber die hohe Wertschtzung, die ihr Frst Rakoczy in der Kurstadt geniet.